GESCHRIEBENSTEIN Nr. 28, 1996
"Am Anfang war die Mü"
von Thomas Vlassits
Die Müh. Es wird fast so viele Würdigungen geben wie Erinnerungen.
Der vermutlich berühmteste Tempel-Mix des Burgenlandes - aus Aktion,
Veranstaltungen jeder Art und Heuriger, Galerie und Literatur, Baustelle
und Schneider-Toiletten auf Hundertwasser. Ziel der Weekend-Träume
und Weltberühmtheiten, die Steine der Wahrheit im Hof, Ulliander und
More-Night-Stands, von Joe Cocker bis Hermann Nitsch, Baden Powell und Maché,
Dubliners und John McLaughlin, Oslip Schräg und Lukas Resetarits,
auch Opus haben hier angefangen.
Sepp, Roberto, Bö und Hutti, Rudl, Gold und Heiße Schokolade,
Nehrer, Nöhrer, Kögl, Ali und Evi, John Lord und Roger Chapman,
Fendrich, Qualtinger, Schenk, Deix und Turrini...die Liste ist fast unendlich
lang - bis Toni Stricker und Raw Power.
Bevor ich jedoch in einen Glückwunsch mit Namensnennungen verfalle,
muß der Text anders werden.
Jeder hat seine "eigene" Chelley (Chelsea) Mühle, für
jedes Bedürfnis wurde Platz und Zeit angeboten. Mehr oder weniger erfolgreich.
Das Insidertum ist nach den mittlerweile 20 Jahren bis zu den politischen
Parteien, Coca Cola und Blasmusik gegangen. Nirgendwo im Land hat eine derartige
Bandbreite an Verschiedenheiten, meistens friedlich und problemlos, nicht
nur nebeneinander sondern richtiggehend miteinander Bestand haben können.
Alle anderen Tempeln im Land sind viel mehr abgeschlossen, haben entweder
Disco, Theater, Film, Jazz, Reggae usw. in Ausschließlichkeit.
Die Cselley Mühle ist anders.
Die Geschichte der Zwei, Sepp Laubner und Robert Schneider, vom "Köllerhaus"
in Großhöflein abgehoben in alle kulturellen Schlagzeilen, ist
selbst schon eine Legende. Kein Weg führt an der Müh vorbei, fast
niemanden gibt es, der hier nicht schon einen gehoben hat oder sich an der
vielfältigen Buntheit erfreute. Kein Kulturbudget - mit mehr oder weniger
oder gar keiner Hinwendung - konnte sich entziehen. Offiziell und inoffiziell
nicht. Man förderte die Bausubstanz und schickte die Betreiber in die
Ges.m.b.H.-Abteilung und vielleicht ins Ziel 1 der EU, und man vergaß
nie, auf die typischen burgenländischen Aktionen zu verweisen (kulturelles
Aushängeschild). Der laufende kulturelle Betrieb war immer schon privatisiert,
Eintrittskarten lügen nicht.
Wie hat es Toni Stricker so treffend auf den Punkt gebracht: "Das Gemma-Kultur-Schau'n
hat für die Cselley Mühle keine ausreichende Gültigkeit,
hier wird Kultur gelebt."
Und das ist vollkommen richtig.
Daß es immer und immer wieder zu Querelen und sich ebenso immer zu
nicht haltbaren und zu argumentierenden Schließungsgerüchten
kam, wundert in Wahrheit niemanden mehr. Das, was die Cselley Mühle
zu ihrem 20. Geburtstag geschafft hat, muß man erst einmal durchziehen.
Und noch ein Zitat aus einem der Jubiläumskataloge:
"Liebe Cselley Müller! Meine Ausstellung bei Euch habe ich in
äußerst positiver Erinnerung:
1. die Mühle, die Gestaltung der Räumlichkeiten - einfach TUTTI.
2. Personal und Veranstalter: TUTTI FRUTTI.
3. Speisen und Getränke: WIRKLICH GUTTI.
und 4. die Ausstellungsbesucher: MOLTO SYMPATHICO. Und nicht zuletzt die
Musik bei meiner Vernissage (Chuck Berry, Rolling Stones, Beach Boys): DA
CAPO, BRAVISSIMO!!!
1001 Bussi - Euer Manfred Deix"
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen - außer: Herzlichen Glückwunsch
zum 20er.
Thomas
Vlassits
links:
Cselley
Mühle
Deix-Ausstellung, Karikaturmuseum Krems
ORF
Burgenland, Mahlzeit zu 30 Jahre CM
ORF
Bgld - 30 Jahre Cselley Mühle
Toni Stricker-Webseite
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