bvz, kultur, 22.Nov. 95

Im Namen der "Windrose" - von Thomas Vlassits

Mauricio Kagel und das Klangforum Wien beeindruckten im KUZ Eisenstadt. Das Burgenland als Provinz "Neuer Musik"."Wenn man in europa von Süden spricht, meint man gemeinhin Italien oder Griechenland, Sonne und Meer. Ich bin in Buenos Aires geboren, und Süden heißt bei mir Antarktis, ewiges Eis, tödliche Kälte."

So einer der Sätze aus der Einleitung von Maurizio Kagel beim Konzert des "Klangforum Wien", das im KUZ Eisenstadt "Die Stücke der Windrose" für Salonorchester (Osten, Südosten, Nordwesten, Südwesten, Westen) von Kagel zur Aufführung brachte. Der Komponist dirigierte selbst. Großartig. Mauricio Kagel ist beim diesjährigen Festival "Wien Modern" ein 'Schwerpunkt gewidmet.
Es war so etwas wie die "große, weite Welt" auf der Bühne des KUZ Eisenstadt. Sie blieben einsam, die Bühne und die große, weite Welt.

Was allerdings dann vom Klangforum in das KUZ an Musik hineingetragen wurde, war das bemerkenswerteste, das in Eisenstadt seit langem geboten wurde.

Kagels "Stücke der Windrose" drehten sich nicht nur in alle Himmelsrichtungen, sie drangen in die Gehörgänge der immer aufmerksamer werdenden Zuschauer und überraschten diese in jeder Sekunde.
Das ist wohl eines der bezeichnendsten Merkmale der "Neuen Musik Marke M.Kagel".
Die Stücke waren manchmal leicht wie eine Feder und manchmal wieder verschnörkelt wie der Westwind, regenträchtig-stürmisch oder lieblich-zart, einen schönen morgigen Tag ankündigend.

Mauricio Kagel, der in seine Musik immer wieder Elemente aus anderen Genres einfließen läßt (Theater, Film, Radio,...) ist ein ganz Großer im Bereich Neue Musik. 8 bis 10 Monate pro Jahr komponiert er 10 Stunden pro Tag. Aber: "Komponieren ist keine Qual, es ist vielmehr ein Privileg. Das Werk eines Komponisten ist sein OEvre. Man geht im Grunde ganz tiel in sein Unterbewußtsein, um die Möglichkeiten, die man hat, auszuloten".
Und nichts, was darin enthalten ist, kann ein kreativer Prozeß hervorkehren. Hier besteht ein Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und einem größeren Ganzen, möglicherweise den Bausteinen des Lebens. Die Musik kann diesen Zusammenhang - auch, und besonders für den Zuhörer - bewußt machen. Die kleine Zuhörerschaft in Eisenstadt ließ diese Vermutung wirklich zu.

 



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