GESCHRIEBENSTEIN, Nr.4, 1991

"... und sie bewegen sich doch... "

Künstlerinitiative Burgenland

Einundfünfzig Künstler aus dem Burgenland, ebensoviele Individualisten und vermutlich ebensoviele Interessenten. An einem Sonntag, 15. September, Cselley Mühle Oslip: Eine "Urpartie" dachte über eine neue Art von Kunst und Kultur in diesem Lande nach. Es entstand ein Offener Brief an den Landeshauptmann, und es gab unzählige Telefonate, Einladungen. Die "Buschtrommel" tat das ihre dazu. Man traf sich. Viele hatten bestenfalls voneinander gehört, wieder andere begrüßten sich, wie alte Freunde das tun..

von Thomas Vlassits

In der Tat: Es war ein bunter Haufen, der sich vorgenommen hatte, Kunst und Kultur und deren Finanzierung zu überdenken. Aber nicht nur um das Preis-Leistungs-Verhältnis ging es oder könnte es gehen. Namen wie Hans Rochelt, Peter Wagner, Paul Blaha, Wolfgang Horwath, Harro Pirch, Sabrina Unger, Daniela Graf, Heidemarie Just, Klaus Bassett, Robert Schneider, Sepp Laubner...(Namensnennung rein zufällig). Wie unterschiedlich die Zusammensetzung dieser Runde auch war, man schaffte es, die einzelnen Glieder zu einer Kette zu machen.
Mitsprache, mitbestimmen, nicht mehr nur Bittsteller sein wollen, Aktionen und Protest artikulieren...So lauteten einige Diskussionsbeiträge. So unwahrscheinlich es für einige auch war, und so vor- und nachsichtig mit dem gestellten Thema auch umgegangen wurde, es gab auch ein Ergebnis: Ein sechs Punkte umfassendes Forderungspaket an die zuständigen Stellen im Land. Landeshauptmann Stix hat, als erste Reaktion, einem Open-End-Diskussionstermin mit der Künstlerinitiative zugestimmt.

Ein zehnköpfiges Gremium hat sich auf den Weg gemacht, so etwas wie ein Sprachrohr der burgenländischen Künstler zu werden: Daniela Graf, Alexander Gregorics, Bertl Gstettner, Reinhard Handl, Wolfgang Kubizek, Sepp Laubner, Eva Müllner, Harro Pirch, Hans Rochelt und Peter Wagner.

Die Diskussion : sachlich, aufmerksam, an einem Strang ziehend, Protestmöglichkeiten suchend. Der 22. September, offizieller Geburtstag und Festakt des Burgen-Landes: Man könnte dort eine Aktion starten ... dafür gäbe es keine Idee ... die offiziellen Kulturstätten bestreiken ... eine Stimme sagte etwas von "neuer Form des Widerstandes", konnte sich aber nicht näher erklären ... die, gegen die man protestiert, sollen das dann bezahlen ... die "Autonomen" stellten sich selbst dar (Cselley Mühle, OHO, Hans Resch - Ziegelofen) ... zu feige sei man, es genügt, Bittsteller zu bleiben ...

Resümée: Es gab so etwas wie Zufriedenheit darüber, daß man sich getroffen hat. Etwas von einem "olympischen Gedanken"? Und man hat einander versprochen, von sich hören und sich sehen zu lassen. Der Anfang einer Zusammenarbeit?

 
 



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Folgeartikel zum Thema Künstlerinitiative

   


Die sechs Punkte im Einzelnen:


1. Der Anteil des Kulturbudgets soll auf 3% des Gesamtbudgets erhöht werden.
2. Der Prozentanteil der produzierenden Kunst soll gegenüber der reproduzierenden steigen (25% zu 75%).
3. Offenlegung der Bestellung des neuen Intendanten der Kulturzentren, Tätigkeitsbericht der Beiräte und Transparenz bei der Vergabe von Förderungsmittel.
4. Forderung nach Presseförderung, nach Erhöhung der Filmförderung und nach Förderung des Verlagswesens.
5. Ein Budgetposten soll der Initiative zur autonomen Verwaltung zur Verfügung gestellt werden.
6. Die Förderung internationaler Kulturkontakte.

(An der genauen Formulierung des Forderungspaketes wurde bei Redaktionsschluß noch gefeilt.)